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26.02.2007

 

Allgemeine Zeitung vom 26.02.2007

Wer einen Jagdschein machen möchte, muss auch einen Hochsitz bauen können. Foto: privat

Region

Von der Fuchsranz bis hin zur Drückjagd - Vor dem Jagdschein steht die Ausbildung / Neben einem Lehrjahr sind jetzt auch Kompaktkurse erlaubt.

RHEIN-MAIN Wer als Jäger in Wald und auf Feldern unterwegs ist, braucht einen Jagdschein. Dafür war in unserer Region lange ein regelrechtes Lehrjahr nötig. Inzwischen hat sich das geändert. In Hessen und seit dem 15. Dezember 2006 auch in Rheinland-Pfalz können Jagdscheine
nach Kompakt- oder Wochenendkursen
erworben werden.

Von Stefanie Widmann
"Wer bisher in Rheinland-Pfalz eine Prüfung ablegen wollte, musste ein Jahr lang mit einem anerkannten Lehrherren zur Jagd gehen und dort Praxis und Theorie lernen", sagt Erhard Bäder, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes (LJV) Rheinland-Pfalz. Solche Lehrherren gab es pro Landkreis im Schnitt zehn bis 20. Sie mussten als zuverlässig bekannt sein sowie nachweisen, dass sie sich regelmäßig fortbilden und ihr Wissen vermitteln können, um von der Unteren Jagdbehörde - der Kreisverwaltung - die Lehrerlaubnis zu erhalten. "Das war eine sehr gründliche Ausbildung", erläutert Bäder, "denn die Anwärter erlebten alle im Lauf des Jahres anfallenden Arbeiten persönlich." Im Januar etwa die Ranz - die Begattung - der Füchse, im Februar die Zeit, wenn bei den Wildschweinen die Frischlinge auf die Welt kommen, im März und April die Einsaat der Äsungsflächen und im Mai den Beginn der Rehwild-Jagd mit der Versorgung des Wildbrets. "Im Sommer sind die Jäger dann damit beschäftigt, Wildschäden zu vermeiden - etwa beim Weizen, der den Tieren dann besonders gut schmeckt", berichtet der Experte und fährt fort: "Im Herbst werden die Niederwild- und die winterlichen Drückjagden vorbereitet. Und in kalten schneereichen Wintern muss das Wild gefüttert werden."
Eine Ausbildung wie diese hat viele Vor-, aber auch Nachteile, weiß Bäder. "Wer durch die Prüfung fiel, musste ein ganzes Jahr warten, um sie wiederholen zu können. Und außerdem hat halt nicht jeder die Zeit, ein ganzes Jahr einen Lehrherrn zu begleiten." Das Ergebnis: Rund 25 Prozent der 400 bis 500 Jagdprüfungen pro Jahr wurden in Nachbar-Bundesländern abgelegt, wo es schon länger eine Kompaktausbildung gibt. Vor allem das Saarland wurde zum Mekka rheinland-pfälzischer Jagdschein-Anwärter, die dort in drei Wochen auf die Prüfung vorbereitet wurden.
"Um diesen Prüfungstourismus zu vermeiden, musste etwas geschehen", erinnert sich Bäder an die Diskussionen. "Wir haben daher gleich unsere Mitarbeit angeboten, als wir erfuhren, dass das Land die Jägerprüfungsordnung ändern wollte. Und wir haben dabei von Anfang an Wert darauf gelegt, dass die traditionelle Form der Jagdausbildung auch in Zukunft weiter möglich sein wird." Dies sei in den meisten Bundesländern, die Kompaktkurse erlauben, nämlich nicht der Fall. In Rheinland-Pfalz wird laut Gesetz die Ausbildung bei einem Lehrherrn auch künftig möglich sein - allerdings wird sie von einem ganzen auf ein halbes Jahr verkürzt.
Etwas preiswerter als die Kompaktkurse, die zwischen 1 800 und 2 500 Euro kosten, wird diese traditionelle Form noch sein, auch wenn zu den 250 bis 600 Euro, die die Kreisgruppen der Landesjagdverbände für ihren Theorieunterricht nehmen, noch Zusatzkosten für Munition oder Bücher sowie Schießstand- und Prüfungsgebühr kommen.
Die neue rheinland-pfälzische Jägerprüfungsordnung ist am 15. Dezember 2006 im Gesetz- und Verordnungsblatt veröffentlicht worden und gleichzeitig in Kraft getreten. Auf der Ebernburg in Bad-Münster im Stein hat inzwischen die erste rheinland-pfälzische Jagdschule eröffnet, bereits im Januar legten die ersten zehn Anwärter dort erfolgreich ihre Prüfung ab. "Anbieter ist Siegfried Seibt, der in den vergangenen 30 Jahren 10 000 Prüflinge im Saarland durch die Prüfung gebracht hat", sagt Bäder, dessen Landesjagdverband mit dieser Schule kooperiert. In Framersheim bietet im April die Jagdschule Rheinhessen ihre ersten Kurse an.
Auch in Hessen sind beide Wege zum Jagdschein möglich. "Entscheidend ist für uns die Prüfung und nicht so sehr der Weg dorthin", sagt eine Sprecherin hessischen Forstministerium.
Informationen: www.jagdschule-rheinhessen.de